EnBW startet Bau von einem der größten Batteriespeicher Deutschlands in Philippsburg
Der EnBW-Speicher soll Strom aus Wind- und Solaranlagen aufnehmen und bei Bedarf ins Netz einspeisen. Mit seiner Kapazität könnte er den täglichen Strombedarf von rund 100.000 Haushalten decken. Die Finanzierung erfolgt ohne staatliche Unterstützung – über Erlöse aus der Stromvermarktung und netzdienlichen Leistungen.
Pilotanlage zuerst, Vollbetrieb bis Ende 2027
EnBW hat im Energiepark Philippsburg mit dem Bau eines der bislang größten Batteriespeicher in Deutschland begonnen. Der Zweistundenspeicher wird eine Leistung von 400 MW und eine Speicherkapazität von 800 MWh aufweisen. Zunächst errichtet EnBW eine Pilotanlage, um zwei verschiedene Batterietechnologien zu testen. Im kommenden Jahr soll die Anlage schrittweise erweitert werden; der vollständige Betrieb ist bis Ende 2027 geplant.
Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW, erklärte: „Erneuerbare Energien brauchen flexible Partner. Batteriespeicher sorgen zusammen mit wasserstofffähigen Gaskraftwerken für eine sichere und bezahlbare Stromversorgung. Beide Technologien leisten einen wichtigen Beitrag für die Versorgungssicherheit, indem sie die Schwankungen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen."
Vom Kernkraftwerk zum Energiewendestandort
Philippsburg gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Energiestandorten Deutschlands: Block 1 des Kernkraftwerks ging 1979 mit einer Leistung von 926 MW ans Netz, Block 2 folgte 1985 mit 1.468 MW. Zusammen verfügten die beiden Reaktoren über rund 2,4 GW installierte Leistung. Block 1 wurde 2011 abgeschaltet, Block 2 folgte Ende 2019. Seither laufen die Rückbauarbeiten auf dem Gelände. Auf einem benachbarten Teil des Energieparks hat der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW bereits einen Gleichstromkonverter errichtet – südlicher Endpunkt der neuen 2-GW-Stromverbindung ULTRANET, die Windstrom aus Norddeutschland in den Südwesten Deutschlands transportieren wird. Der Batteriespeicher der EnBW ergänzt diesen Infrastrukturausbau und festigt Philippsburgs Rolle als zentralen Netz- und Speicherknoten im süddeutschen Stromsystem.
Batteriespeichermarkt in Deutschland wächst dynamisch
Das Projekt in Philippsburg reiht sich in eine wachsende Zahl von Großspeicherprojekten in Deutschland ein. RWE errichtet in Lingen den bislang größten Batteriespeicher Niedersachsens – einen 400-MW-Batteriepark mit mindestens 800 MWh Kapazität, der 2028 in Betrieb gehen soll. In Förderstedt bei Staßfurt entsteht mit dem Projekt „Eco Power Three" ein Batteriespeicher mit 300 MW Leistung und mehr als 700 MWh Kapazität, dessen erste Blöcke noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 ans Netz gehen sollen. EnBW selbst betreibt bereits 20 Batteriespeicher mit über 100 MWh installierter Kapazität und entwickelt weitere Anlagen mit insgesamt 1.800 MWh. Neue Solarparks stattet das Unternehmen nach eigenen Angaben standardmäßig mit Batteriespeichern aus.
Der Markt wächst insgesamt dynamisch: Laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur waren in Deutschland mit Stand 31. Mai 2026 rund 2,5 Millionen Batteriespeicher mit einer Leistung von knapp 17,9 GW und einer Gesamtkapazität von rund 29,9 GWh (29.900 MWh) in Betrieb (Daten: 23.06.2026).
© IWR, 2026
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