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Nächtliche Schalldrosselungen belasten Wirtschaftlichkeit von Windprojekten – Schalloptimierung rückt in den Fokus

© Dezibel Engineering Service GmbH© Dezibel Engineering Service GmbH

München – Der Kostendruck bei neuen Windenergieprojekten in Deutschland nimmt zu. Sinkende Zuschlagswerte in den Ausschreibungen treffen auf steigende Bau- und Finanzierungskosten. Ein bislang häufig unterschätzter Faktor für die Wirtschaftlichkeit ist die nächtliche Schalldrosselung von Windenergieanlagen, die Erträge reduzieren und Projekte an die Wirtschaftlichkeitsgrenze bringen kann.

Genehmigungsvorgaben zur Einhaltung von Schallgrenzwerten führen dazu, dass Windparks während der Nachtstunden nur mit verringerter Leistung betrieben werden oder einzelne Anlagen zeitweise vollständig abgeschaltet werden müssen. Nach Einschätzung der Dezibel Engineering GmbH können jedoch in einigen Fällen Optimierungen des Betriebskonzepts zusätzliche Stromerträge ermöglichen, ohne die geltenden Immissionsrichtwerte zu überschreiten.

Wirtschaftlichkeit entscheidet sich bei kleinen Margen
Die Bedeutung der nächtlichen Betriebsbeschränkungen steigt mit dem zunehmenden Wettbewerb bei Windenergieausschreibungen. Der durchschnittliche Zuschlagswert der Bundesnetzagentur lag in der Ausschreibungsrunde im Februar 2026 bei 5,54 ct/kWh, in der Mai-Ausschreibung sank er auf 5,06 ct/kWh. Gleichzeitig erhöhen höhere Kosten für Bau und Finanzierung den wirtschaftlichen Druck auf neue Projekte.

„Wenn ein Windpark nachts dauerhaft gedrosselt laufen muss, kann das schnell zum Projektrisiko werden“, sagte Fischer, Geschäftsführer der Dezibel Engineering GmbH.

Ein Beispiel des Unternehmens zeigt den möglichen Effekt: Eine moderne 6-MW-Windenergieanlage an einem Standort mit 55 Prozent Standortgüte erreicht bei nächtlich gedrosseltem Betrieb einen Jahresenergieertrag von rund 13.200 MWh. Bei einer Vergütung von knapp 7,95 ct/kWh ergibt sich daraus ein Jahresumsatz von etwa 1,05 Mio. Euro. Die Wirtschaftlichkeitsschwelle würde in diesem Beispiel erst bei einem Zuschlagswert von 5,9 ct/kWh erreicht – ein Unterschied von 0,3 ct/kWh.

Schalloptimierung kann zusätzliche Erträge erschließen
Werden unnötige Betriebsbeschränkungen durch technische und genehmigungsrechtliche Anpassungen reduziert, kann der Energieertrag steigen. Im genannten Beispiel erhöht sich der Jahresertrag laut Dezibel Engineering auf rund 14.650 MWh. Das entspricht einem Zuwachs von etwa elf Prozent.

Der Hintergrund: Gerade nachts treten häufig stärkere Windgeschwindigkeiten auf, gleichzeitig gelten jedoch strengere Schallanforderungen. Werden Betriebsweisen in der Genehmigungsphase konservativ angesetzt, können diese Vorgaben über die gesamte Laufzeit eines Windparks zu dauerhaften Ertragsverlusten führen.

Mehr Ertrag ohne zusätzliche Flächen
Die Optimierung bestehender Windparks gewinnt damit an Bedeutung, da zusätzliche Stromerträge aus bereits genehmigten Standorten erschlossen werden können. Nach Angaben von Dezibel Engineering wurden durch optimierte Betriebskonzepte sowie technische und genehmigungsrechtliche Maßnahmen bei mehr als 100 Windenergieanlagen in 29 Windparks zusätzliche Stromerträge von über 82 Mio. kWh pro Jahr erreicht.

© IWR, 2026


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26.06.2026

 



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