Einstieg in australischen Markt: Weltec Biopower baut erste landwirtschaftliche Biogasanlage in Australien für Gemüseproduzent Kalfresh
© Weltec Biopower
Vechta – Der Einsatz von Biogastechnologie zur Verwertung landwirtschaftlicher Reststoffe gewinnt international an Bedeutung. Der niedersächsische Anlagenbauer Weltec Biopower hat einen Vertrag mit dem australischen Gemüseproduzenten Kalfresh geschlossen und errichtet in Kalbar, Queensland, die erste Ausbaustufe einer Bioenergieanlage.
Die Anlage soll das Herzstück des neuen Scenic Rim Agricultural Industrial Precinct bilden, eines Gewerbegebiets für Lebensmittelverarbeitung. Die Weltec-Anlagentechnik soll Ende August auf der Baustelle eintreffen, anschließend beginnt der Bau des ersten Fermenters zur anaeroben Vergärung. Die erste Ausbaustufe umfasst einen Fermenter mit 31,48 Metern Durchmesser und 8,8 Metern Höhe sowie ein Gärrestlager, gesteuert über das Weltec Control System.
Kreislaufwirtschaft aus Ernteresten
In der Anlage sollen Ernterückstände, Verarbeitungsreste und weitere landwirtschaftliche Abfälle von Kalfresh in Biogas sowie in einen nährstoffreichen Gärrest umgewandelt werden. Der Gärrest soll als Biodünger auf die landwirtschaftlichen Flächen zurückgeführt werden – Teil von Kalfreshs Strategie einer Kreislaufwirtschaft, die von der Feldproduktion bis zur Energiegewinnung reicht. Laut Berichten von Branchenmedien könnte der Precinct bei Vollausbau bis zu 14 Fermenter umfassen; die damit rechnerisch erzeugbare Energiemenge würde für die Versorgung von rund 31.000 Haushalten ausreichen oder alternativ als Kraftstoff für bis zu 98 Millionen Lkw- und Buskilometer genutzt werden können.
Deutsche Anlagentechnik für australischen Agrarbetrieb
Kalfresh ist ein 1992 gegründetes, im Besitz mehrerer Farmerfamilien befindliches Gemüseunternehmen mit Sitz in Kalbar im Südosten Queenslands. Das vertikal integrierte Unternehmen baut, wäscht, verpackt und vermarktet Gemüse wie Karotten, Bohnen, Zwiebeln und Mais und zählt nach Unternehmensangaben zu den führenden vertikal integrierten Gemüsebetrieben Australiens. Um die international bewährte Vergärungstechnologie ins eigene Portfolio zu integrieren, entsandte Kalfresh im April eine Gruppe von Landwirten aus Queensland nach Deutschland, um Referenzanlagen von Weltec Biopower zu besichtigen. Kalfresh-Geschäftsführer Richard Gorman begründete die Wahl des Technologiepartners: „Für uns war es entscheidend, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der nachweislich zuverlässige und langfristig ausgelegte Infrastrukturprojekte realisiert. Es handelt sich um eine bewährte Technologie, und wir bauen die Anlage für eine langfristige Nutzung. Wir haben zahlreiche Bioenergieanlagen im Ausland besucht, darunter auch Anlagen, die von Weltec geplant und gebaut wurden. Das Unternehmen genießt einen hervorragenden Ruf für die Entwicklung effizienter, hochwertiger Systeme, die dauerhaft zuverlässig arbeiten.“
Weltec-Biopower-Geschäftsführer und Vertriebsleiter Dirk Krumdieck sieht in dem Auftrag das Ergebnis mehrjähriger Vorarbeit: „Wir freuen uns sehr, dieses Vorzeigeprojekt im Bereich Bioenergie in Australien umzusetzen, das die landwirtschaftliche Innovationskraft von Kalfresh mit unserer bewährten europäischen Erfahrung im Biogasanlagenbau verbindet.“
Markteintritt für deutsche Biogastechnik in Australien
Für Weltec Biopower markiert der Auftrag den Einstieg in landwirtschaftliche Bioenergieprojekte in Australien. Das 2001 gegründete Unternehmen aus Vechta hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 450 Edelstahl-Biogasanlagen in den USA, Japan, Zypern, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern geplant, geliefert und errichtet. Das aktuelle Projekt soll in drei Bauabschnitten realisiert werden; die erste Stufe mit Fermenter und Gärrestlager bildet den Auftakt.
Biogas-Markt in Australien: junge Branche mit Wachstumspotenzial
Australien hat sich per Gesetz zu einer Emissionsreduktion von 43 Prozent bis 2030 sowie zu Netto-Null bis 2050 verpflichtet; als politisches, nicht gesetzlich fixiertes Ziel kommt ein Anteil erneuerbarer Stromerzeugung von 82 Prozent im National Electricity Market (NEM) bis 2030 hinzu, den vor allem Wind- und Solarkraft tragen sollen, unterstützt durch Batteriespeicher zur Netzstabilisierung. Der Net-Zero-Plan der Regierung nennt daneben „saubere Kraftstoffe“ – darunter Biomethan – als eigene Dekarbonisierungspriorität, allerdings bislang ohne eigenes quantifiziertes Ausbauziel. Der australische Biogasmarkt selbst gilt nach Einschätzung von EY Australia als jung, aber mit erheblichem Wachstumspotenzial. Die heutige Nutzung erneuerbarer Gase ist noch begrenzt: Die australische Biogasproduktion bzw. -nutzung lag 2023/24 bei rund 18 Petajoule, während eine im Auftrag von Energy Networks Australia erstellte Studie das technische Biomethan-Potenzial Australiens auf rund 400 Petajoule pro Jahr beziffert. Damit liegt das langfristige Potenzial um ein Vielfaches über der heutigen Nutzung. Seit Juli 2025 berücksichtigt NGERS (National Greenhouse and Energy Reporting Scheme) Biomethan und Wasserstoff in einer marktbasierten Emissionsbilanzierung.
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15.07.2026